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Brief eines Hunsrücker Auswanderers von 1846

 

Philip Kaster schrieb am 23. August 1846 in die Heimat

 

Viel geliebter Herr Pastor Schug von Beulich und Morshausen!

Weil Sie bei der Abreise verlangt haben, wenn ein Jahr hier wären, auch schreiben sollten,

wie es uns gehen würde und auch selber versprochen haben, so wollen wir unser Versprechen

halten und nun zu wissen tun, wie es sich bei uns Auswanderer verhält und wie es uns geht.

Lieber Herr und sonstige Freunde! Wir hätten schon längstens geschrieben, aber noch

wollten wir nicht schreiben bis wir genau wußten, wie es uns hier ergeht, nun wollen wir Euch

zunächst zu wissen tun, wie es auf der ganzen Reise gegangen ist und bis jetzt noch geht.

 

Am 17. April 1845 sind wir von Haus abgereist bis nach Boppard,

den 18. bis nach Köln, den 19. haben wir unsere Fracht bezahlt bis nach Dünkirchen,

auf die Person bis über 15 Jahren 21 Thaler und 10 Groschen, von 5 bis 15 Jahren

die Hälfte und von den Jüngeren nichts.

Vom 20. bis 21. fuhren wir nach Dünkirchen. Den 7. Mai ist Peter Kremer und

Philip Windhäuser von Dünkirchen  abgefahren nach Brasilien.

Ich, Philip Kaster und Johann Wölbert sind den 25. Mai von Dünkirchen ab auf das hohe

Meer nach Brasilien. Es hat uns auf der Seereise soweit ganz gut gegangen, nur meine

Tochter Barbara ist den 3. Juni auf der See gestorben, und der  Philip Windhäuser ist auf

der ganzen Reise kränklich gewesen, aber doch jetzt wieder ganz gesund.

Windhäuser und Kremer sind den 8. Juli in den Hafen von Rio de Janeiro angekommen.

Kaster und Wölbert sind den 25. Juli angekommen. Den 28. Juli sind wir von Rio nach

der Kolonie. Den 20. August ist dem Johann Wölbert seine Frau ins Kindbett

gekommen und hat eine Tochter zur Welt gebracht. Die Frau hat lange krank gelegen,

sie ist aber wieder gesund geworden. Den 20.August gegen Abend ist meine Frau,

Anna Becker ins Kindbett gekommen und hat eine Tochter zur Welt gebracht, das Kind

hat noch Stunden gelebt. Meine Frau ist gefährlich krank geworden und am 1. September

ist sie gestorben. Von da an ist meine Tochter Anna krank geworden und hat gelegen

bis zum 6. Februar, dann ist sie auch gestorben.

So habe ich die Frau und 3 Kinder verloren.

Dem Philip Windhäuser ist der Sohn Peter gestorben, dem Peter Kremer sind die Söhne

Jakob und Peter und seine Tochter Barbara gestorben. Anton Wölbert  ist auch gestorben.

Die beiden Kneip, Anton und Philip, sind auch bei uns angekommen.

Dem Anton Kneip sind die Söhne Christian und Philip gestorben, die übrigen sind

wohlauf und gesund. Philip Windhäuser hat eine Tochter bekommen, Anna Maria.

 

Lieber Herr Pastor! Wie hat der liebe Gott uns alle bestraft. Wir haben uns viele Sorgen

und  Beschwerden gemacht, als wir in ein fremdes Land auswanderten und dem lieben

Gott viele Seelen opferten. Es hätte uns auch in Deutschland passieren können.

Von den Kolunisten, die im letzten Jahr aus Deutschland kamen, sind 250 gestorben.

Als wir auf die Kolonie gekommen sind, war vorher eine lange Regenzeit.

Die vorbereiteten Wohnungen, die wir hier vorgefunden haben, waren feucht und schlecht,

um das frische Klima so zu überstehen, war ein schwieriges Geschäft.

Die Leute die es überstanden haben, sind weit gesünder wie in Deutschland.

Es hat niemanden härter getroffen als mich, Kaster, weil mir Frau und 3 Kinder gestorben

sind. Ich war mit 2 Kindern allein, das eine war immer krank, deswegen konnte ich

nicht in den Verdienst gehen. Das Geld was ich mitbrachte von zu Hause hat nicht

lange gereicht, denn hier ist alles sehr teuer. Ich wollte mir eine Magd dingen, die ist

aber auch zu teuer, 5 Thaler im Monat. So blieb ich mit den Kindern allein, es war

ein schweres Jahr. So entschloß ich mich wieder zu heiraten. Ein Mädchen von 23 Jahren,

Maria Katharina Kuhn, geboren in Biebern bei Simmern. Sie ist ein sehr gutes getreues

Frauenzimmer, sie ist sehr gut zu meinem Sohn Anton, den ich allein noch habe.

In den anderen zugewanderten Familien geht es noch gut. Für mich war es sehr schlimm

in einem fremden Land so viele Menschen zu verlieren.

 

Wir sind in Rio freundlich aufgenommen worden und als Kameraden angesehen,

von der Obrigkeit bekamen wir pro Kopf 5 Thaler geschenkt. Die Fahrt bis zu unserer

Kolonie dauerte 5 Stunden übers Meer und 5 Stunden über Land.

Über Land fuhren uns die Regierungsagenten und wir brauchten nichts zu bezahlen.

Pro Familie bekamen wir 18 Morgen Hoch- und Niederwald. Wir haben viele Sorten

schönes Holz, weiß, gelb, rot und noch viele andere Sorten. Wir haben auch viel Holz

was Früchte bringt, aber wir kennen sie noch nicht alle. Hier gibt es keinen Winter,

es bleibt das ganze Jahr grün, denn wir sind schon 1 Jahr hier und haben noch keinen

Schnee, Eis noch Reif gesehen.

Als wir hier ankamen war noch alles wild und ungezügelt, jetzt sind schon viele

Wohnungen gefertigt. Die Kolonisten haben eine deutsche Stadt angelegt, ihr Name

ist Petropolis. Die Protzigen aus Rio de Janeiro haben weiße Häuser hier, eins so

schön gepflegt wie das andere, sie wohnen in 4 Monaten hier.

Die Regierung hat uns viel Samen geschenkt, Korn, Weizen, Gerste, einige Sorten

Kartoffeln, Bohnen, Reis, Rettich und Salat, auch deutsche Obstbäume.

Ferner haben wir bekommen pro Kopf 2 Teller, 1 Kochtopf, 1 Suppenschüssel,

1 Messer, 1 Gabel und 1 Löffel. Frei ist der Doktor und der Zahnarzt und die Medizin,

das Begräbnis und der Aufenthalt im Krankenhaus.

Der Anfang war schwer, aber jetzt haben wir es schön und einen guten Tagelohn.

 

Windhäuser und ich arbeiten jetzt als Steinsprenger und verdienen pro Tag 1 ½ Thaler,

gleich 25 Reis nach hiesigem Geld. Bisher konnten Weiber und Kinder zur Arbeit gehen,

jetzt aber nicht mehr. Ab jetzt können nur Junggesellen ab 15 Jahren zur Arbeit gehen

und bekommen 20 Reis, ab 18 bekommen die Männer mehr Lohn.

Hier ist alles sehr teuer, der Zentner Korn 5 Thaler, 1 Pfund Rindfleisch 3 Groschen,

Schweinefleisch 6, Zucker 8, Reis 3, Salz 1, Erbsen 3, Linsen 3. Die Kleidungsstücke

sind sehr teuer, besonders die Schuhe, ein Paar 3 Thaler, Halbstiefel 6 Thaler, das andere

aber ist billiger als in Deutschland. Der Arbeitslohn ist teuer. Mit den Wohnungen  sind

wir noch nicht zurecht  gekommen, nur Philip Windhäuser hat sein Haus gefertigt mit

2 Wohnzimmern, worin die Schule gehalten wird, 3 Stunden gehen die Kinder zur Schule.

Peter Kremer hat auch ein Haus gebaut, ist aber noch nicht fertig. Kaster fängt jetzt an

dazuzubauen und Johann Wölbert ist jetzt auch am Bauen, er arbeitet bei einem Arzt,

verdient einen Thaler und 10 Groschen. Hier in der ganzen Kolonie sind 6 Schulen

eingerichtet, den Schulmeister bezahlt die Regierung.

Was uns am meisten kränkt, ist, daß wir noch keinen Geistlichen haben. Einige Stunden

von hier wohnt einer, der ist schon öfters hier gewesen und Gottesdienst gehalten,

aber seine Sprache verstehen wir noch nicht. 14 Tage vor Gestern haben  wir das Glück

gehabt, einen würdigen Pater aus Rom hier zu haben, er wurde vom ersten Kardinal

vom göttlichen Stuhl zu uns geschickt, um uns in der Religion zu unterstützen und

zu belehren. Wir haben zum ersten mal bei ihm beichten können, wir bekamen ein

sehr gutes Lob von ihm, wegen der guten Belehrung in der Schule.

Weil er uns so gut katholisch fand, hat der Herr Nuntius uns 6000 Thaler zu einer

Kirche vermacht und er hat gleich 300 Thaler für die Schule gegeben, für Papier,

Feder, Griffel und Tinte und forthin alle Jahre 100 Thaler für die Schule und er gab

bei der Ankunft 500 Thaler der Gemeinde. Unser fester Glaube ist der beste Dank

für mich, sagte der Nuntius.

Der lutherische Magister hat die Leute in die Schule zusammen kommen lassen

und hat gegen den Nuntius gepredigt. Der Magister hat einen Brief an die Regierung

geschrieben, der Nuntius wäre nie ein Religionskundiger. Nun hat sich ein großer Streit

zwischen den beiden zugetragen. Unser Magister hat in die Zeitung setzen lassen,

der Nuntius wäre ein Religionsstörer. Der Nuntius hat auf den Magister, Major Kochler,

bei Frankfurt in Deutschland zu Hause, als Vagabunden in die Zeitung setzten lassen.

Das heißt, daß einer zu allem fähig ist was Gott verboten hat, zu Gaunerei, zu Diebstahl

und alles was schlecht ist. Der Nuntius hat die Wahrheit gesprochen, jetzt heißt es,

er hätte nach Rom geschrieben, um sein Recht weiterzusuchen, was daraus wird,

wissen wir noch nicht.

 

Wie gut haben wir es hier gegen die Bauern in Deutschland. Hier haben wir keinen

Gerichtsvollzieher, kein Geldheber, kein Förster, kein Feldschütz, wir sind 8 Jahre frei,

und brauchen keine Steuer auf unser Land zu zahlen.

Wir haben hier mehr Holz als in Deutschland einer braucht, das Holz hat hier einen

guten Wert. Ein Dutzend Dielen von 16 Fuß Länge, 1 Fuß breit und 1 Zoll dick,

kostet 24 Thaler, das haben wir genug. Wir haben schon oft erfahren aus Briefen,

die wir aus Deutschland bekamen, daß dort Hungersnot sein soll.

Hier haben wir noch keinen gehabt, denn hier können wir immer ernten.

Jetzt können wir uns schon sehr viel pflanzen, jetzt ist es Frühjahr und die beste

Zeit zu pflanzen. Gemüse können wir das ganze Jahr hindurch pflanzen, für viele

Früchte haben wir noch nicht genug urbar.

 

Geliebte Brüder!

Unsere Regierung hat sich entschlossen, Freunde, die wir in Deutschland hätten,

die noch dachten, die Reise wagen zu können, gelegentlich hierher kommen zu

lassen. Da habe ich meine Brüder, Peter und Ludwig Kaster von Morshausen

angegeben. Man sagt, wenn meine Geschwister mitkommen wollen, die können

mit derselben Konzession kommen, dieses läßt die Regierung in der Deutsch-

länderzeitung  eintragen, damit dieselbe es bekundet. Liebe Brüder,  ich sage nicht,

daß Ihr kommen sollt, sage auch nicht, daß Ihr zu Hause bleiben sollt.

Wenn Ihr kommt will ich so gut für Euch sorgen wie ich kann. Ihr habt jetzt besser

kommen als wir. Wir sind in eine große Wildnis gekommen. Jetzt sind schon viele

Wohnungen und Straßen in der Stadt fertig. Der Kaiser baut ein schönes Schloß

hierher, es gibt die zweite Residenzstadt hier in Brasilien.

Es sind schon einige Schiffe mit Leuten aus Deutschland in Rio angekommen, die sind

in die weitere nach Norden Region gekommen, ein Schwall soll hier bei und kommen,

die Kolonie ist schon abgemessen. Wir Beulicher und Morshausener  wohnen alle

nahe zusammen. Windhäuser und Philip Kaster  von Morshausen in einer Gemeinde,

Peter Kremer wohnt 400 Schritte von uns. Die beiden Kneip von Morshausen wohnen

¼ Stunde von uns. Die Burgener  sind alle in unserer Nachbarschaft.

Wir wollen Euch auch kundtun, wie wir hier leben. Wir pflanzen Kappes, Salat, das Gemüse,

das auf dem Boden wächst. Wenn wir es verzehren, schneiden wir es ab, dann wächst es

wieder fort. Das ganze Jahr hindurch können wir Kartoffeln pflanzen, das übrige Gemüse

können wir das ganze Jahr hindurch pflanzen. Unsere Lebensmittel auf diese Weise,

meist Bohnen und Kartoffeln, jeden Tag frisch. Fleisch bei jeder Mahlzeit.

Wir essen Rübenbrot morgens und abends und trinken Tee und auch meistens Fleisch

dazu. Wir wünschen, daß alle Freunde in Deutschland es auch haben können.

 

Ich Philip Windhäuser sagt meinem Bruder Johann Anton Windhäuser und meinem

Schwager Josef Hammes es wäre gut, wenn Ihr bei uns wäret, weil die Schumacher und

Schreiner jeden Tag hier 2 Thaler verdienen.

Direkt bekommt einer 12 Thaler im Monat.

Wohnung habe ich für alle beide. Die Reise ist auch ungefährlich aber beschwerlich, denn

es ist weit von Haus, es sind 3500 Stunden. Die Reise ist uns nicht gefallen. Wir haben

am 30. August das Glück gehabt, daß wir einen Deutschländer katholischen Seelsorger

bekommen haben, der immer bei uns Seelsorger bleibt.

 

Die Streitigkeiten zwischen unserem Magister, Major Kochler und dem Herrn geistlichen

Regenten, Kardinal Nuntius, hierhin geschickt als geistlichen Stellvertreter unseres

Glaubens, sind beendigt. Nun freuen wir uns, daß hier seine erste Predigt und den Segen

unter uns ausgeteilt.

 

Liebe Freunde, wir wollen Euch kundtun, wie wir hier arbeiten, vom 1. November

bis 1. März von morgens 6 bis abends 6. Die übrige Zeit des Jahres von morgens 7

bis abends 5. Die übrige Zeit ist Nacht. Morgens von 8 bis 9 ist Frühstück, mittags

von 12 bis 2 ist Mittag.

 

Freundschaftlicher Hr. Pastor Schug!

Seitdem wir von Hause sind, haben wir mit weiß viele Menschen gesprochen von

unseren geliebten Seelsorgern in Deutschland, daß keiner von denen Allen das

getan hat, was Ihr an uns getan habt. Die anderen haben sich alle ihre Arbeit von

den armen Leuten bezahlen lassen, Ihr aber habt alles uns umsonst getan.

Dafür danken wir Euch noch jetzt viel 1000mal. Es lebe hoch der Pastor Schug! Vivat!

Lebe der, der uns gutes und gesegnet hat, der Hr. Pastor.

 

Viel geliebter Herr Pastor, mit unseren ganzen brüderlichen Familien und allen

Verwandten und Bekannten. Wenn wir länger hier sind, dann wollen wir auch unser

Ergehen näher erklären. Wir wollen auch mit getreuem Herzen die Wahrheit

schreiben und wir sagen, daß Sie doch unserem Schreiben glauben. Wir wollen Euch

nicht betrügen. So weit voneinander getrennt und sich liebenden Seelen werden

sich doch nicht betrügen. Wir verlangen mit getreuem Herzen, daß wir mit nächster

Gelegenheit Antwort erhalten, wie es unseren zurückgebliebenen Familien

und Bekannten zu Hause geht. Wenn Sie uns schreiben wollen, dann adressieren

Sie den Brief an Philip Kaster im Mittelrheintal Deutsche Kolonie Petropolis,

Rio de Janeiro, Brasilien. 

 

Nun wollen wir unser Schreiben schließen und legen Euch allen viele Grüße mit

getreuem  Herzen und wünschen, unser Schreiben Euch bei guter Gesundheit

antreffen wird, und wir wünschen Euch allen ein gesundes langes Leben.

Eure getreuen Brüder und Schwestern und Freunde.

 

Philip Kaster von Morshausen, Anton Kaster, Maria Katharina Kuhn aus Biebern-

Johann Wölbert und Anna Maria Wölbert.

Ich grüße nochmals geliebte Schwester und Bruder Johann Josef Hammes-

Philip Windhäuser und Barbara Windhäuser, Sohn Anton und Tochter Anna Maria-

Peter Kremer, Anna Maria Hammes, Anna Maria Kremer, Jakob Kremer-

Anton Kneip, Maria Katharina Kneip und alle Kinder- Philip Kneip, Anna Maria

Kneip und alle Kinder –Peter Wölbert-Jakob Kremer.

 

Nachtrag

 

Viel geliebter Pastor Schug!

Weil ich die Gelegenheit  bis jetzt noch nicht haben konnte, Euch mein Schreiben

zu schicken vom 23. August bis jetzt zum 10. Oktober, das besteht darin, weil ich

den Brief durch keine anderen Hände abschicken wollte als durch den Herrn Nuntius.

Jetzt habe ich die Gelegenheit, ach wie freudig sind wir jetzt. Die Streitigkeiten

Zwischen dem Herrn Nuntius und dem Herrn Major sind jetzt zu Ende.

Der Nuntius hat den Major von seinem Dienst gebracht, darüber sind wir sehr freudig,

weil der schlechte uns nicht aufrichtig beschadet hat.

 

Liebe Freunde in Deutschland!

Es wird Euch bekannt sein, daß wir bei der Abreise dem Hause Dellroe in Dünkirchen

pro Kopf 15 Jahren 21 Thaler und 10 Groschen und 5 bis 15 Jahren die Hälfte bezahlen

mußten. Weil es ihnen aber nicht erlaubt war, ist unsere Regierung mit ihnen ans

Gericht gegangen. Es ist jetzt zu Ende, das Haus Dellroe hat ihn verloren und muß uns

unser Geld wieder zurückbezahlen. Es tut mir 56 Thaler ausmachen.

Die Regierung hat mit ihm den Handel geschlagen pro Kopf von 15 Jahren 245 France

und bis 15 Jahren die Hälfte.

 

Liebe Brüder! Ich muß auch nochmal bemerken, daß unsere Regierung sich die Arbeiter

in Deutschland anwerben will und will sie hierhinholen, wenn  sie kommen wollen.

Sie haben sich diejenigen von uns bemerken lassen wo wir meinten, die Reisekosten

nicht machen zu können. Da habe ich meine Brüder Peter und Ludwig Kaster

einschreiben lassen. Wenn Ihr nun kommen wollt, dann werdet Ihr von Haus bis

hierhin gebracht, und kostet auf der Stelle nichts.

 

Es sind dieses Jahr wieder aus allen Gegenden Auswanderer nach  Brasilien gekommen,

ich habe schon mit vielen gesprochen, einer aus der Sevenicher  Mühle,

Namen Liesenfeld.

 

Liebe Brüder! Wenn Ihr vielleicht ja doch kommen sollt, dann bitte ich Euch freundlich,

daß Ihr mir doch einen der kleinsten Sorte Kochofen mitbringen möchtet. Wenn Ihr

nicht soviel Geld haben sollt, so laßt Euch von einem Bekannten, der mit Euch kommt,

vorlegen. Wenn Ihr hierher kommt, bezahle ich Euch alles was es kosten tut, wenn Ihr

zu kurz steht, dann laßt es Euch auf mein Wort vorstrecken. Wenn  Ihr kommt, dann

will ich Euch mehr als 100 Thaler zeigen, was mein Eigentum ist.

 

Was ich Euch nun noch auferlege, dafür bitte ich Euch besonders, daß Ihr mir und

einer gestorbenen Frau Anna Becker das tun werdet. Brüder! Mit meinem innigen

Herzen, mit meiner brüderlichen Liebe bitte ich Euch, lassen Sie doch meiner

Verstorbenen Frau ein Totenamt halten und ladet alle Freunde dazu ein, denn ich

habe hier schon 3 Messen bestellt, die Tage sind aber noch nicht bestimmt, wann

sie gehalten werden, denn es sind ihrer zu viele hier.

 

Brüder! Kommt zu uns und ich bezahle alles doppelfällig zurück.

 

Ich muß Euch noch bemerken, daß schon viele Streitigkeiten hier gewesen sind.

Zwei Nachbarn, einer aus Strimmig mit Namen Klein, der andere aus der Eifel

mit Namen Friederich, die beiden haben sich immer gestritten. An einem Abend

kamen sie zusammen, der Klein mit der Axt, der Friederich mit dem Gewehr.

Der  Klein entreißt dem Friederich das Gewehr und schlug dann auf sein Haupt

und gab ihm zwei Stiche in den Hals, zwei in die Seite und zwei ins Herz.

Der Friederich starb auf der Stelle und das Klein hat 1 Jahr Gefängnis bekommen.

 

Lieber Herr Pastor Schug!

Ich bitte Sie, seien Sie doch so gut, tun Sie doch meinen Freunden und

Verwandten zusagen, was ich Euch geschrieben habe. Ich denke noch Tag und

Nacht an Deutschland, wenn es mir schon gutgeht.

 

Ich grüße Euch alle nochmal mit freundlichem und getreuem Herzen

 

Philip Kaster

 

Schiff der Auswanderer

 

 

 

Dieser Brief ist in der Festschrift 250 Jahre Kirche Morshausen erschienen

 

 

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