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Insider Tipp zwei

11. 04. 2021 bis 31. 12. 2021

Tipp Nummer Zwei:

"Ein Besuch des „sagenhaften“ Koppenstein"

 

von Monika Kirschner

 

Geographische Lage: 49° 52′ 36,5″ N, 7° 29′ 21,4″ O

 

„Des Hunsrücks Wahrzeichen sollst du sein,

du grauer trotziger Koppenstein.“

Karl Röhrig, Hunsrücker Liederbuch

 

Unser zweiter Vorschlag ist gleichzeitig ein Versprechen. Ganz gleich, ob man sich allein, mit einem Partner, einer Gruppe von Freunden oder mit Kindern auf den Weg macht, ein Ausflug zum Aussichtsturm auf der Höhe bei Gemünden ist die perfekte Unternehmung für Soonwald-Einsteiger. Erfolg garantiert! Einfach zu finden, kurze Wanderstrecke mit leichtem Anstieg und dann auf dem Höhepunkt die Belohnung: ein Blick über unser Land, wie ihn sonst nur der Rotmilan hat.

 

Rätsel vom Anfang bis zum Ende

Die Anfänge der Burg Koppenstein in 550 Meter Höhe liegen genauso im Dunkel der Geschichte, wie ihr Ende als bewohnte Burg. Ehemals war die Anlage nur eine kleine Herrschaftsburg der niederadligen Familie von Koppenstein, einer Seitenlinie der Sponheimer. Hoch vom Berg aus sicherten sich die Grafen ihre Verbindung zwischen den Kreuznacher- und Moselbesitztümern.

 

 

Bruchstücke der Vergangenheit

Schriftliche Zeugnisse zu Berg und Burg Koppenstein existieren erst seit dem 12. Jahrhundert. Aber die kompakten Steinwälle, tiefen Gräben und verschütteten Mauerreste der Anlage deuten auf eine weit ältere, vielleicht keltische Besiedlung hin. Um 1330 hatte die Anlage eine Größe erreicht, die ihr sogar Stadtrechte sicherte. Die Blütezeit dauerte keine dreihundert Jahre. Im Dreißigjährigen Krieg, wurde die Burg verlassen und verfiel. Heute ist es eine Geisterstadt. Ein Ort der Ruinen. Man vermutet, dass es der Mangel an Wasser war, der auf der Höhe über 550 Meter auf Dauer keine große Siedlung mehr zuließ. Doch bewiesen ist das nicht. 

 

Grausige Geschichten und seltsame Spuren

Mehr als andere Wälder ist der Soonwald von den ungelösten Rätseln der Geschichte geprägt. An jeder Wegbiegung werfen die Steine neue Fragen auf. War das hier ein Tor, eine Fallgrube oder gar ein Verlies?

In der mittelalterlichen Ruine Koppenstein sind es vor allem zwei außergewöhnliche Frauen, die diesen Ort populär gemacht haben. Irmgard von Koppenstein war eine der ersten Bewohnerinnen der Burg. Sie lebte der Sage nach im späten Mittelalter. Die andere, Maria Margaretha Rosenstein, auch das „Koppensteiner Gretchen“ genannt, war die letzte Bewohnerin der Ruine. Sie starb vereinsamt in dem verfallenen Gemäuer im Jahre 1821. Über all die Jahrhunderte hinweg vereint die beiden Frauen eine tragische Lebensgeschichte. Hoch oben auf dem Bergfried kann man sich dem Schicksal von Irmgard von Koppenstein noch heute nahe fühlen. In ihrer Jugend machten ihr viele Ritter den Hof, doch sie war nur an Gisbert von der Wildburg interessiert und wurde ihm auch versprochen. Als ein Ritter derer von Kallenfels sie dennoch wüst bedrängte, versuchte sie verzweifelt zu fliehen. "Wie ein gescheuchtes Reh flüchtete sie aus der Kemenate die Stiegen des Turmes hinauf. Schon hörte sie die Tritte des Gefürchteten hinter sich. Oben angekommen schwang sich Irmgard in ihrer Verzweiflung auf die Steinbrüstung des Bergfrieds. »Hinweg, Verruchter«, rief sie, »oder ich stürze mich hinab und sterbe so rein.«  ...Schon stand er hinter ihr und wollte sie eben umfassen, als sie aufstöhnte: »Heilige Jungfrau, erbarm dich meiner!« Dann stürzte sie sich über die Brüstung in die Tiefe. Da stockte selbst dem Unhold das Blut in den Adern. Er beugte sich über die Mauer, das zerschmetterte Mädchen zwischen den Felsen suchend." (Nachzulesen in dem empfehlenswerten Soonwald-Buch: „Auf den Spuren einer verborgenen Welt“)

 

So kommt man hin:

Man startet die kleine Expedition am besten vom „Wanderparkplatz Koppenstein“ an der K 62 aus. Von dort führt ein leicht ansteigender Waldweg in gut einem Kilometer zur Burganlage. Die Strecke gehört zum erfolgreichen Premium Wanderweg "Soonwaldsteig", dem „Weg der Stille“. Kurz vor der Anhöhe auf der rechten Seite erkennt man die Reste des mächtigen Burggrabens. Auch die ehemalige Zugbrücke, der nicht mehr vorhandenen Toranlage, lässt sich erahnen. Vorbei an einer Schutzhütte geht es weiter über eine alte Natursteintreppe zu dem ungewöhnlichen fünfeckigen Burgfried. Rechts und links finden sich reichlich Bruchstücke anderer Zeiten und Realitäten, wie steile Felsstürze, Quarzitbrocken und Mauerreste mit seltsamen Zeichen...

 

Ziel erreicht: die Plattform

Auf der Höhe angekommen, muss der Bergfried bezwungen werden. Innen im Turm führt eine schmale Metalltreppe hinauf zur Aussichtsebene. Vorsicht: Kopf einziehen, bevor es auf die Plattform geht. Ein spektakulärer Rundumblick erlaubt eine freie Sicht auf nahezu alpine Quarzit-Felsformationen, den Quarzitsteinbruch Henau, über wellige Hunsrückhöhen, den Idarkopf (746 m) und ins Nahe-Tal bis hin zum Donnersberg (687 m) im Nordpfälzer Bergland. Auf einem hohen Sockel findet sich eine Art Kompassrose mit Himmelsrichtungen, Ortsnamen und Entfernungen, die bei der Orientierung hilft. Der Aufstieg lohnt sich besonders bei guter Sicht und bei einem Sonnenauf- oder -untergang. Von hier oben kann man sich gut vorstellen, wie nicht nur der Schinderhannes, sondern auch andere Räuber, Grafen und Raubritter die Talwege unsicher machten und ihre Zölle einforderten. Der tragische Todessturz der Irmgard von Koppenstein und die Einsamkeit der Maria Margaretha Rosenstein machen diesen Ort endgültig zu einem Wahrzeichen für Seelenschmerz und Tragik. Südlich unterhalb des Burgfrieds ruht der berühmte „Wackelstein“, ein riesiger Quarzitbrocken, der auf der schiefen Ebene seiner schmalen Unterlage im nächsten Moment in die Tiefe zu stürzen scheint:  ein eindrucksvolles Monument der Kraft des perfekten Schwerpunkts und der Balance.

 

Unverzichtbar im Soonwald: das Proviant-Paket

Für diese und andere Streifzüge durch den Soonwald ist ein Rucksack mit Proviant-Paket und vor allem Trinkwasser unverzichtbar! Das nächste Gasthaus - selbst wenn es geöffnet ist - liegt oft weit entfernt. Dafür findet sich aber hier am Fuße der Ruine eine großräumige Holzhütte mit Feuerstelle. Kein schlechter Platz, in aller Ruhe sein Picknick bei einem Glas Nahewein zu genießen. Streichhölzer und Wasser nicht vergessen; Holz findet sich. Feuerstelle nach Gebrauch ablöschen!

 

Wir sehen uns im Wald! Ihre Initiative Soonwald e.V.

Monika Kirschner

Schabbacher Kultur und Heimat Freunde e.V.

Heribert Dämgen

 

 

 
 
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